Q4 / 2025

Wieso ein Ehrenamt?

Flavia Muscionico leitet das Museum Schloss Burgdorf und ist seit 2024 Vorständin bei femmes protestantes.

In ihren 38 Jahren Lebenserfahrung finden Platz: Viel Knowhow im Museumswesen, ein grosses Interesse an Partizipation und Gerechtigkeit sowie Kinder und Mann mit Lebensmittelpunkt im Solothurnischen.

Wir haben Flavia gefragt, ob sie für ein Interview mit der Geschäftsstelle Zeit hat. Denn wir wissen, dass die Gleichstellungsarbeit der femmes protestantes interessiert. Mit diesem Interview möchten wir einen Einblick in die Vorstandsarbeit und den Bezug zur Gleichstellung geben.


Liebe Flavia, wir steigen locker ein:
Wenn du dich heute in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären es?

Flavia:
Das ist eine Frage, die ich heute tatsächlich mit müde, hungrig und uninspiriert beantworten würde, aber das ist nicht die Regel. Mein Mann sagt: Zielstrebig, lustig und empathisch. Das buche ich ein.

Ok, um das besser einzuordnen, erweitern wir für die Leser:innen kurz die Informationen zu deiner Person: Du leitest ein Museum, bist vierfache Mutter und engagierst dich ehrenamtlich bei femmes protestantes. Was hat dich motiviert, dich neben Beruf und Familie noch in einem national agierenden Verband einzubringen?

Alltagserfahrungen, aber auch das Bewusstsein, dass man mit seinem Engagement etwas bewegen kann.
 

Flavia bei der Mitgliederversammlung 2025

Gab es den einen Moment, in dem dir klar wurde: Ich möchte aktiv etwas für Gleichstellung bewegen?

Ich habe mich bereits ein paar Jahre aktiv in meiner Kirchgemeinde engagiert, fand aber vor rund zwei Jahren, es sei Zeit für etwas Neues. Als ich dann von femmes protestantes und ihrer Arbeit rund um das Thema Gleichstellung gehört habe, wusste ich, dort möchte ich mitwirken.
 

Welche Aufgaben übernimmst du im Vorstand, und was reizt dich daran besonders?

Ich habe im Vorstand das Ressort Finanzen übernommen. Gerne unterstütze ich die Geschäftsstelle bei der Budget- und Finanzierungsplanung und habe so einen spannenden Einblick in die operative Arbeit. 

Welche Themen oder Projekte im Verband liegen dir besonders am Herzen?

Mir liegen die Bestrebungen für eine geschlechtergerechte Kirche, die sich auch kritisch mit ihren Machtstrukturen auseinandersetzt, sehr am Herzen. Meiner Meinung nach läge die Kraft der Kirche darin, dass sie Gemeinschaft stärken und Orientierung im Leben bieten kann. Viele fühlen sich aber nicht mehr repräsentiert oder gar willkommen. Das sollten wir ändern. Ganz konkret freue ich mich auf das Social Media-Projekt zu feministischer Theologie, mit dem wir vor allem auch junge Menschen ansprechen wollen.  

Wie erlebst du die Zusammenarbeit im Vorstandsteam?

Der Vorstand funktioniert in der jetzigen Konstellation erst seit diesem Frühling. Viele von uns sind noch nicht lange dabei. Zudem haben wir eine neue Präsidentin. Das heisst, wir müssen uns noch finden, viel Organisatorisches besprechen und unsere Zusammenarbeit klären. Das empfinde ich bisher als sehr konstruktiv.

Gibt es Bereiche, in denen du merkst: Da braucht es dringend mehr weibliche Stimmen?

Ich denke, es ist vor allem auch wichtig, dass in vielen Bereichen weibliche Perspektiven sichtbar(er) werden.

Wie bringst du all deine Verantwortungsbereiche, ob beruflich oder privat, unter einen Hut?

Damit müde, uninspiriert und hungrig nicht die Regel ist, braucht das gute Planung, Aufteilung von Care- und Erwerbsarbeit, Unterstützung bei der Kinderbetreuung und flexible Arbeitgeber:innen, was Arbeitszeit und -ort anbelangt. Manchmal passt aber auch nicht ganz alles unter einen Hut und das muss auch okay sein.

Welche Strategien oder Rituale helfen dir, Energie und Motivation zu halten?

Der Austausch mit Menschen, sei es bei der Arbeit oder auch im Privaten, geben mir sehr viel zurück. Der abendliche Spaziergang hilft beim Abschalten und zur Ruhe kommen. 
 

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Was würdest du Frauen sagen, die denken:
»Ich würde ja gern, aber ich habe keine Zeit«?

Es ist so: Wir müssen uns überlegen und entscheiden, wofür wir unsere Zeit nutzen. Was ist einem wichtig, was macht man gerne, was liegt aber auch nicht ganz drin. Ab und zu ist es aber auch gut, etwas Neues auszuprobieren – dann merkt man ja vielleicht, dass man doch ein bisschen mehr Zeit hat, als angenommen.
 

Welche Erfahrungen oder Erlebnisse haben dich in deinem Engagement besonders bewegt?

Die von femmes protestantes organisierte und durchgeführte Tagung zu Machtmissbrauch im Juni hat mich sehr bewegt. Es wurde ein Raum geschaffen, in dem konstruktiv und offen darüber gesprochen werden konnte.

Welche Botschaft möchtest du an Frauen senden, die überlegen, Verantwortung zu übernehmen?


Machen. Und:
Bei sich bleiben, seinen eigenen Weg gehen.
 

Was gibt dir persönlich am meisten Freude und Kraft an deinem Engagement?

Dass ich schon mit einem kleinen Beitrag helfe, dass sich etwas bewegt.

Merci vielmal liebe Flavia.


Wenn du dir nun überlegst, selbst aktiv zu werden, gibt es von Mitglied bei femmes protestantes bis zur Vorständin viele Möglichkeiten.
Melde dich gerne unverbindlich bei uns.